Domain-Strategie im Ethereum-Name-System (ENS)


Domain-Namen unter .eth erleichtern Kommunikation und bieten Sicherheit

Das Ethe­re­um-Name-Sys­tem (ENS) ist ein neu ent­ste­hen­des Domain-Name-Sys­tem (seit 05/2017) im Ethe­re­um Uni­ver­sum, wel­ches sich auf die Block­chain-Tech­no­lo­gie fokus­siert und in den neu ent­ste­hen­den Netz­wer­ken eine ein­fa­che und leicht zu mer­ken­de Adres­sie­rung ermög­li­chen soll. Ähn­lich wie im aus dem Inter­net bekann­ten Domain-Name-Sys­tem DNS, in wel­chem IP-Adres­sen wie z.B. 81.169.145.164 in soge­nann­te URLs (Uni­form-Resour­ce-Loca­tor) über­setzt wer­den, ist eine ENS-Domain eben­falls ein „Ali­as“, wel­cher anstatt der IP-Adres­se auf die ursprüng­lich mit dem Wal­let ver­knüpf­te Hash-Adres­se zeigt. „ENS eli­mi­na­tes the need to copy — and worse, type — long hexa­de­ci­mal addres­ses. With ENS, you’ll be able to send money to your fri­end at ‘aardvark.eth’ ins­te­ad of ‘0x4cbe58c50480…’, inter­act with your favo­ri­te con­tract at ‘mycontract.eth’, or visit a Swarm-hosted site at ‘swarmsite.eth’ ” (https://ens.domains/).

Hash-Adres­se: da39a3ee5e6b4b0d3255bfef95601890afd80709
ENS: andreashofmann.eth

Eth-Namen kön­nen dabei aber nicht ein­fach „gekauft“ wer­den, wie man das von TLDs (.com, .net, .org, …) oder CC-Domains (.de, .fr, .tv, .io, …) her kennt, son­dern sie müs­sen in einer soge­nann­ten Vick­rey Auk­ti­on gewon­nen wer­den (vgl. Ablauf der ENS-Siche­run­g/-Auk­ti­on). Es bedarf ein paar klei­ne­rer Vor­aus­set­zun­gen, um eine Vick­rey-Auk­ti­on im Ethe­re­um-Netz­werk star­ten zu kön­nen. Im Wesent­li­chen han­delt es sich um die nach­fol­gend dar­ge­stell­ten Vor­be­rei­tun­gen und Ablauf­schrit­te.

Voraussetzungen einer ENS-Sicherung/-Auktion

Um eine ENS-Auk­ti­on star­ten zu kön­nen, muss man über ein Ether-Wal­let ver­fü­gen und eine aus­rei­chen­de Deckung mit Ether-Coins (ETH) vor­wei­sen. Soll­te man noch kein Wal­let besit­zen, kann das unter https://www.myetherwallet.com/#generate-wallet in weni­gen Sekun­den ein­ge­rich­tet wer­den. Ist das erle­digt, hat man mit „MyEtherWallet.com“ ein ERC20-kom­pa­ti­bles und direkt auf die Block­chain bli­cken­des Wal­let, wel­ches für alle ERC20-Token und -Coins ver­wen­det wer­den kann. Die Zugangs­da­ten – bestehend aus Pass­wort und Pri­va­te­Key – soll­te man als Paper Wal­let aus­dru­cken und z.B. in einem Safe unter Ver­schluss hal­ten. Die Kom­bi­na­ti­on die­ser bei­den Sicher­heits-Schlüs­sel ermög­licht JEDER Per­son voll­stän­di­gen Zugriff auf das Wal­let und nicht wider­ruf­ba­re Kon­to­ver­än­de­run­gen aus­zu­lö­sen. In einem wei­te­ren Schritt muss aus­rei­chen­des Volu­men an Ether auf das Wal­let gebucht wer­den, erst dann kann die Auk­ti­on ange­sto­ßen wer­den.

Form der ENS

Aktu­ell sind nur .eth-Domains regis­trier­bar – bes­ser gebots­fä­hig – die aus min­des­tens 7 Zif­fern bestehen und eine Kom­bi­na­ti­on aus Buch­sta­ben und/oder der Zah­len 0 – 9 dar­stel­len, Son­der­zei­chen sind nicht erlaubt. Kür­ze­re Domains wer­den erst in ca. 2 Jah­ren zuge­las­sen, wenn das offi­zi­el­le ENS ein­ge­führt wird. Bis dahin ist man in gewis­ser Wei­se noch im Beta-Sta­di­um des ENS-Uni­ver­sums. Man hat aber die Sicher­heit, dass sei­ne ENS in das spä­te­re Ver­zeich­nis über­nom­men wer­den. Beson­ders „wert­vol­le“ Domains wer­den und wur­den zur Auk­ti­on ange­kün­digt, so dass kein Grab­bing im Vor­feld erfol­gen kann.

Ablauf der ENS-Sicherung/-Auktion

Im Gegen­satz zum welt­weit ver­brei­te­ten DNS ist es im ENS nicht mög­lich, eine .eth-Domain direkt bei dem Pro­vi­der der Wahl (z.B. Stra­to, GMX oder Space.Net) zu erwer­ben. Eth-Namen kön­nen also nicht ein­fach „gekauft“ wer­den, son­dern sie müs­sen – wie oben bereits ange­spro­chen – in einer soge­nann­ten Vick­rey Auk­ti­on gewon­nen oder erwor­ben wer­den.

Zunächst muss man ein Höchst­ge­bot abge­ben, wel­ches für 3 Tage ver­deckt bleibt und für ande­re Bieter/Interessenten nicht ein­seh­bar ist. Jeder Inter­es­sent muss sein Höchst­ge­bot blind abge­ben, so dass ein bei ebay oft­mals beob­ach­te­tes Vor­ge­hen aus­schei­det, näm­lich ganz am Schluss noch ein leicht höhe­res als das bis dato höchs­te Gebot abzu­ge­ben. Dies ist nicht mög­lich, da man nur ein­mal die Chan­ce hat, die Höhe sei­nes Maxi­mal­ge­bo­tes zu bestim­men. Nach 3 Tagen wird die Auk­ti­on öffent­lich gemacht und die Gebo­te wer­den ein­seh­bar – neue Gebo­te sind zu die­sem Zeit­punkt nicht mehr mög­lich. Eine Beson­der­heit der hier durch­ge­führ­ten Vick­rey-Auk­ti­on ist der Umstand, dass – soll­te man gewin­nen – man nur den Gebots­be­trag des nächst­fol­gen­den Bie­ters bezah­len muss, also das zweit­höchs­te Gebot. Der Ablauf der Auk­ti­on ist also strikt vor­ge­ge­ben und soll die Mög­lich­keit eines fai­ren und nicht preis­ver­zerr­ten Mark­tes gewähr­leis­ten.

Der bezahl­te Auk­ti­ons­be­trag ver­bleibt zunächst für 1 Jahr in einer Treu­hand- oder Schutz­zo­ne, wird also hin­ter­legt. Wenn man nach einem Jahr die ENS wei­ter benut­zen will, kann man den Betrag zunächst in der Schutz­zo­ne belas­sen und die Domain nut­zen. Aber auch wenn man die .eth-Domain nicht mehr nut­zen will und sie ein­fach frei­gibt, erhält man sein ein­ge­setz­tes Kapi­tal wie­der zurück, die Domain ist dann frei für eine neue Auk­ti­on.

Abbil­dung 1: Pro­zess­be­schrei­bung Domain­Sa­le: An on-chain secon­da­ry ENS mar­ket. (Quel­le: Medi­um Dai­ly Digest)

Dauer des Schutzrechts

Das Nut­zungs­recht an der ENS bleibt zunächst für zwei Jah­re bestehen und muss bei wei­te­rem Inter­es­se ver­län­gert wer­den. Da hier nicht mit E-Mail und Ein­schrei­ben gear­bei­tet wird, obliegt es jedem Domai­nei­gen­tü­mer selbst, auf Fris­ten und Ver­län­ge­rungs­da­ten zu ach­ten. Das ENS in sei­ner Gesamt­heit ist zunächst auf 2 Jah­re ange­legt und wird spä­ter in ein offi­zi­el­les ENS über­ge­hen. Alle jet­zi­gen ENS-Eig­ner haben das Recht, ihre gehal­te­ne ENS in das neue und offi­zi­el­le ENS-Sys­tem (kos­ten­frei?) über­neh­men zu las­sen.

Verkauf einer ENS im Zweitmarkt

Will man sei­ne .eth-Domain ver­kau­fen, erfolgt dies eben­falls über das Ethe­re­um-Netz­werk und die .eth-Domain wird am Ende des Pro­zes­ses mit einem neu­en Wal­let ver­knüpft. Der Ver­käu­fer muss dabei sei­ne Rech­te an den Domain­Sa­le-Con­tract abtre­ten, die­ser führt den Verkauf/die Über­tra­gung letzt­lich auto­ma­ti­siert aus. Ist die Domain an den Con­tract über­tra­gen, kann der Ver­käu­fer den Preis und die Art des Ver­kaufs (Auk­ti­on, Fest­preis) solan­ge ändern, bis ein Gebot ein­ge­gan­gen ist (Auk­ti­on) oder ein Käu­fer den gefor­der­ten Kauf­preis bezahlt (hat). Da ein Ver­trag nur dann zu Stan­de kommt, wenn der Käu­fer den offe­nen Betrag aus sei­nem Wal­let auf den Domain­Sa­le-Con­tract ein­be­zahlt hat, ist sicher­ge­stellt, dass der Ver­käu­fer den Kauf­preis umge­hend in sei­nem Wal­let ver­bu­chen kann. „This ensu­res that when you sell a domain you can be con­fi­dent the funds will be deli­ve­r­ed to you without any reli­an­ce on the buy­er” (vgl. Jim McDo­nald).

Will man eine Domain nicht selbst nut­zen, kann man sie auf den gera­de ent­ste­hen­den Han­dels­bör­sen wie z.B. unter reddit.com | namebazaar.io | peername.com/ens oder auch thomasclowes.com ver­kau­fen. Das Pro­ze­de­re ist ähn­lich der für Domain­na­men bekann­ten Domain-Han­dels­platt­form sedo.de.

Abbil­dung 2: Ver­kaufs­pro­zess mit Trans­fer an Domain­Sa­le; Art des Ver­kaufs­mo­dells (Auk­ti­on oder Fest­preis) kann vom Ver­käu­fer bestimmt wer­den. (Quel­le: Medi­um Dai­ly Digest)

Erreichbarkeit

ENS sind nicht über her­kömm­li­che Brow­ser wie Mozil­la, Safa­ri, Chro­me, Ope­ra oder ähn­li­che HTML-basier­te Anwen­dun­gen erreich­bar. ENS-Domains wer­den auch nicht über ICANN ver­wal­tet oder orga­ni­siert und eben­so lösen DNS in aller Welt .eth-Domains nicht auf. Ähn­li­che Pro­blem gab es bereits bei .finan­ce und ande­ren neu­en TLDs. Hier – also im Ethe­re­um Netz­werk – liegt das Pro­blem aber anders, denn es ist kein Pro­blem, son­dern ein­fach eine ande­re Tech­no­lo­gie. Um .eth-Domains anzu­steu­ern benö­tigt man spe­zi­el­le Brow­ser wie z.B. MIST oder Pari­ty. Hier­für gibt es einer­seits Plug­ins für Chro­me oder auch Mozil­la, wel­che im bestehen­den Sys­tem genutzt wer­den kön­nen. Ande­rer­seits sind die­se Plug­ins nur Tech­no­lo­gie­über­set­zer, also kei­ne ech­ten Block­chain-Brow­ser. Das Risi­ko einer Phis­hing-Atta­cke o.ä. inkl. dem ein­her­ge­hen­den Ver­lust der Kon­trol­le über das Wal­let ist in die­ser Umge­bung deut­lich höher. Da aber die meis­ten User – mich ein­ge­schlos­sen – mit dem Ter­mi­nal-Pro­gramm und ent­spre­chen­den Befeh­len (Mac OSX) bis­her kaum etwas am Hut hat­ten, wer­den die meis­ten User wohl doch zu der Plug­in-Lösung grei­fen.